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Netzwerk Affekt und Kolonialismus

Koordination
Jonas Bens, Sozial- und Kulturanthropologie
Fabian Bernhardt, Philosophie
Débora Medeiros, Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Verena Straub, Kunstgeschichte/Bildwissenschaft

Kontakt: contact-affect-and-colonialism@lists.fu-berlin.de

Der Kolonialismus bezeichnet nicht nur eine historische Formation, sondern auch eine Gegenwart, die bis heute andauert. Weit davon entfernt, ausschließlich der Vergangenheit anzugehören, hört das koloniale Erbe nicht auf, soziale und kulturelle Wirklichkeiten zu prägen und zu modellieren – in gesellschaftlichen Institutionen und Räumen, Bildern und Begriffen, Mustern des Wahrnehmens und Fühlens, ökonomischen Ungleichheiten, politischen Abhängigkeitsverhältnissen, Formen der Subjektivierung, Emotionsrepertoires und affektiven Arrangements unterschiedlicher Art und Reichweite. Im Rahmen des internationalen Netzwerks wollen wir die affektiven Dynamiken untersuchen, die mit dem Kolonialismus und seinen neo- und postkolonialen Verlängerungen einhergehen. Dabei schöpfen wir zum einen aus den Colonial Studies und der post- und dekolonialen Theorie und zum anderen aus der geistes- und sozialwissenschaftlichen Affekt- und Emotionsforschung. Unser Ziel ist es, besser zu verstehen, auf welche Weise der Kolonialismus und seine andauernden Manifestationen bestimmte Affekte und Emotionen erzeugen, aufrechterhalten, modulieren, verändern oder zurückweisen.

Die Mitglieder des Netzwerks untersuchen das Feld von Affekt und Kolonialismus aus verschiedenen Blickwinkeln, die unter anderem die folgenden Zusammenhänge betreffen: (1) die affektiven Technologien kolonialer Herrschaft und das Kuratieren spezifischer kolonialer Empfindungen und Empfindlichkeiten; (2) Gefühle kolonialer Dominanz und Emotionen in der Beziehung zwischen Kolonisierern und Kolonisierten; (3) die Frage, wie sich Prozesse der kolonialen Rassifizierung in neo- und postkolonialen Gesellschaften in das affektive Leben der Menschen einschreiben (hier rücken unter anderem Phänomene wie blackness, white supremacy, Indigenität, Nativismus und mestizaje in den Blick); (4) die Rolle von Affekten und Emotionen bei der Herstellung von Zugehörigkeit und (nationaler) Identität sowohl im Globalen Norden als auch im Globalen Süden; (5) die affektiven Wirkweisen von Archiven, Museen und kolonialen Gedenkstätten in ihrem Verhältnis zu Erinnerungspolitik, Geschichte und Nostalgie; (6) die Frage, wie sich globale ökonomische Ungleichheiten, die auf das Fortwirken kolonialer Verhältnisse zurückzuführen sind, in das alltägliche Leben und Fühlen der Betroffenen einschreiben und durch bestimmte politics of sentiment reproduziert werden.  

Gegründet an der Freien Universität Berlin und gefördert durch den Sonderforschungsbereich „Affective Societies“, zielt das Netzwerk vor allem darauf ab, den akademischen Austausch zwischen Wissenschaftler*innen aus dem Globalen Norden und dem Globalen Süden zu fördern und langfristige Forschungskooperationen zu etablieren. Das Netzwerk „Affekt und Kolonialismus“ bringt Leute aus unterschiedlichen Kontexten zusammen, stößt neue Diskussionen an und will eine kooperative Forschung ermöglichen, die mehr ist als die Summe ihrer Teile.