Ein Bericht zur Tagung "Affektivität und Mehrsprachigkeit. Dynamiken der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur"

Tagungsplakat: Affektivität und Mehrsprachigkeit

Tagungsplakat: Affektivität und Mehrsprachigkeit

Vom 2. bis 4. November 2017 fand die Tagung „Affektivität und Mehrsprachigkeit. Dynamiken der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ an der FU Berlin statt.

News vom 20.02.2018

Mit der Frage nach dem Verhältnis von Affektivität und Mehrsprachigkeit stellte das Teilprojekt A03 ‚Geteilte Gefühle' erstmals die affektive Dimension von ‚mehr-deutsch-sprachiger‘ Gegenwartsliteratur zur Diskussion. Am Eröffnungsabend war die Autorin Terézia Mora zu Gast und sprach unter dem Titel „Der geheime Text“ über die teils manifeste, teils verborgene Mehrsprachigkeit ihrer Texte. Was bedeutet es, eine Sprache zu beobachten oder sie zu spüren? Inwiefern ist die Sprache das Trägermaterial von Affekten? Welche Rolle spielen Klang und Hören? Solchen Fragen gingen auch die Vorträge nach, die sich in historischer und gattungsübergreifender Perspektive Autorinnen und Autoren wie Paul Celan, Herta Müller, Feridun Zaimoglu, Yoko Tawada, Marica Bodrožić, Katja Petrowskaja oder Tomer Gardi annäherten.

Die Tagung verband auf der einen Seite die Einsichten und Befunde der Mehrsprachigkeitsphilologie und auf der anderen Seite unterschiedliche Ansätze zur Affektivität des literarischen Textes, die von psychoanalytischen Theorien über das Feld der Erinnerungs- und Gedächtnistheorie bis zu den jüngeren Affect Studies reichen. Die Verbindung von Affektivität und Mehrsprachigkeit erwies sich als sehr ergiebig, galt doch bisher vor allem die historisch wirkmächtige und bis heute verbreitete Norm der Einsprachigkeit – in Gestalt der ‚Muttersprache‘ – als affektiv besonders besetzt. Diskutiert wurde demgegenüber, inwiefern sich gerade mehrsprachige Literatur durch die Darstellung, den Vollzug und die Reflexion sprachlicher Affektivität auszeichnet. Ein Band, der die Ergebnisse der Tagung bündeln wird, ist in Vorbereitung.

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