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Das fromme Subjekt? Eine Mediensoziologische Untersuchung islamischer Geschlechter- und Verschleierungsdiskurse

Projektbeschreibung

Das Projekt beschäftigt sich mit der diskursiven Konstruktion muslimischer Subjektpositionen und ihrer affektiven Kopplungen in deutschsprachigen YouTube-Videos, wobei ich Produktionen fokussiere, die aus muslimischer Perspektive verhandeln, wie Weiblichkeit und weiblich markierte Selbst-Praktiken im Kontext einer säkularen Gesellschaft richtig verstanden und ausgeübt werden können. Mit diskursanalytischen Verfahren und dem im SFB entwickelten Ansatz des "Reading for Affect" habe ich drei Positionen identifiziert, die an unterschiedliche Weiblichkeitsmodelle und -normen innerhalb und außerhalb des islamischen Feldes anknüpfen und sich im Hinblick auf das ihnen inhärente Ideal muslimischer Weiblichkeit sowie die damit verbundenen Selbst-Techniken und affektiven Haltungen unterscheiden. Neben einer "exklusiv moralisch-religiösen" Weiblichkeitsposition, die eine Ausrichtung des Selbst an rigiden theologisch begründeten Moralcodes und eine Abgrenzung zu säkularen Selbst-Entwürfen fordert, konnte ein "ästhetisch-lifestyle-orientiertes" Modell rekonstruiert werden, das religiöse Praxis mit Elementen westlich markierter Populärkultur verknüpft sowie eine "kritisch-aktivistische" Position, die sich sowohl von Zuschreibungen seitens der Mehrheitsgesellschaft, als auch von patriarchalen Strukturen in islamischen Milieus abgrenzt.

Gabriel Malli

Gabriel Malli hat im Anschluss an den BA in Soziologie ein Masterstudium in Soziologie und Kultursoziologie an der Universität Graz und der Universität Trento (ITA) abgeschlossen. Seit 2018 studiert er Soziologie im Doktorat und ist Mitglied der FWF- und DFG-finanzierten Internationalen Graduiertenschule "Resonante Weltbeziehungen" an der Universität Graz und am Max-Weber-Kolleg Erfurt. Von Oktober 2019 bis September 2020 hat er einen einjährigen Forschungsaufenthalt am Max-Weber-Kolleg Erfurt absolviert; von November 2021 bis Juli 2022 ist er als Gastdoktorand an der Freien Universität Berlin tätig (finanziert durch das Marietta-Blau-Stipendium des Österreichischen Austauschdiensts). Forschungsschwerpunkte sind Religions- und Kultursoziologie, Soziologie des Islams sowie Diskurstheorie und -analyse. Insbesondere interessieren ihn Fragestellungen im Hinblick auf den Zusammenhang von Diskursen und Affekten.