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Nguyễn Mạnh Thắng

Nguyen

Fellow 2026

Nguyễn Mạnh Thắng ist ein in Hanoi lebender Künstler, dessen Schaffen Lackmalerei, Keramik, Video, Installation und interdisziplinäre künstlerische Praxis umfasst. In seinen Arbeiten setzt er sich sowohl mit traditionellen Materialien als auch mit zeitgenössischen Medien mit dem kulturellen Gedächtnis, der Folklore, den Ritualen und dem sozialen Wandel Vietnams auseinander. In den vergangenen Jahrzehnten stellte er international in Europa und Asien aus und pflegte gleichzeitig langjährige Kooperationen mit traditionellen Handwerksgemeinschaften in Vietnam.

Nguyễn Mạnh Thắng's künstlerisches Schaffen beschäftigt sich mit Erinnerung, Ritualen, Folklore, Spiritualität und gesellschaftlichem Wandel im heutigen vietnamesischen Leben und bedient sich dabei der Medien Lackkunst, Keramik, Installation, Video sowie interdisziplinärer künstlerischer Forschung. Ein zentraler Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Zeit nach dem Vietnamkrieg und die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, die darauf folgten. Die Jahre nach dem Krieg waren in Vietnam von einem extrem raschen und radikalen Wandel geprägt – politisch, wirtschaftlich, kulturell und emotional. Traditionelle soziale Strukturen, kollektive Identitäten, spirituelle Praktiken und Lebensweisen veränderten sich innerhalb kürzester Zeit. Dieser Wandel wirkte sich tiefgreifend auf Gemeinschaften, familiäre Beziehungen, die Stadtentwicklung und das Verhältnis zwischen Erinnerung und Moderne aus. In seinen Arbeiten untersucht er, wie diese historischen Brüche die heutige vietnamesische Gesellschaft und das emotionale Leben weiterhin prägen. Sein besonderes Interesse gilt der Spannung zwischen Verschwinden und Kontinuität: Wie überleben Rituale, Folklore, Ahnenkult und kollektive Erinnerungen in einer Gesellschaft, die von Beschleunigung, Globalisierung, Migration und Modernisierung geprägt ist? Materialien wie Lack, Keramik, Ton und bewegte Bilder ermöglichen es ihm zu erforschen, wie Erinnerung in Objekten, Räumen, Gesten und Atmosphären verankert wird.

Das Stipendienprojekt „Affective Nourishment“ knüpft direkt an diese langfristige künstlerische Auseinandersetzung an. Im Rahmen des Projekts untersucht er, wie vietnamesische Altarpraktiken, Essensrituale und häusliche Räume als emotionale und spirituelle Infrastrukturen der Fürsorge fungieren, insbesondere in vietnamesischen Diasporagemeinschaften. Für ihn sind diese Praktiken eng mit den Nachkriegserfahrungen von Vertreibung, Anpassung, generationsübergreifender Erinnerung und der Bewahrung emotionaler Zugehörigkeit über geografische und kulturelle Distanzen hinweg verbunden. In seiner Arbeit nähert er sich diesen Fragen durch Bildsprache, rituelle Ästhetik, Klang und materielles Gedächtnis. Sein besonderes Interesse gilt der Frage, wie emotionales Wissen nicht nur in Kunstwerken, sondern auch in alltäglichen Gesten wie dem Kochen, dem Anrichten von Altären, dem gemeinsamen Essen und kollektiven Zusammenkünften existiert. Durch audiovisuelle und räumliche künstlerische Praxis zielt er darauf ab, diese unsichtbaren emotionalen Strukturen in visuelle und sinnliche Erfahrungen zu übersetzen. Diese Forschung steht auch in Verbindung mit XOAY, dem Kulturcafé und interdisziplinären Gemeinschaftsraum, den er derzeit in Hanoi aufbaut. XOAY fungiert als ein Ort, an dem Kunst, Gespräche, Essen und Gemeinschaft durch Ausstellungen, Zusammenkünfte, Workshops und gemeinsame Mahlzeiten zusammenkommen. Für ihn ist das Café wichtig, weil es ein alltägliches Umfeld schafft, in dem kulturelles Gedächtnis, Gastfreundschaft und kollektiver Austausch im zeitgenössischen städtischen Leben auf natürliche Weise weiterbestehen können.

Im Rahmen des CRC-Stipendiums möchte er diese Ideen durch künstlerische und audiovisuelle Forschung weiterentwickeln und gleichzeitig zu einer breiteren Diskussion über Affekte, Migration, Dekolonialität, Erinnerung und gemeinschaftsbasierte kulturelle Praxis beitragen.

Publikationen (ausgewählt)

  • Art of Slang (2003)
  • Co-Existence (2024)