Trần Thị Thu Trang
Trần Thị Thu Trang ist eine unabhängige Forscherin, Anthropologin, Kuratorin und interdisziplinäre Kooperationspartnerin, die zwischen Vietnam und Deutschland lebt. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit Erinnerung, Essgewohnheiten, diasporischer Identität, dekolonialer Kulturproduktion und zeitgenössischer Gemeindeentwicklung, wobei sie anthropologische Forschung und kollaborative künstlerische Praxis miteinander verbindet. Sie arbeitet mit kuratorischen, sozialen und forschungsbasierten Formaten, die Räume für intersektionalen Dialog, kollektiven Austausch und affektive Formen der Wissensproduktion schaffen.
Derzeit entwickelt sie in Hanoi das Projekt XOAY, ein hybrides Kulturcafé und einen Gemeinschaftsraum, der Kunst, Gastfreundschaft, Forschung und zeitgenössische kulturelle Praxis miteinander verbindet.
Trần Thị Thu Trang's ihre Arbeit bewegt sich zwischen Anthropologie, künstlerischer Forschung, kuratorischer Praxis und gemeindebasierter Kulturarbeit. Ihr besonderes Interesse gilt affektiven Wissensformen, diasporischer Identität, dekolonialen Praktiken, kollektivem Gedächtnis und zeitgenössischer Gemeindeentwicklung. Sowohl in ihrer Forschung als auch in ihrer kuratorischen Arbeit untersucht sie, wie alltägliche Praktiken wie das gemeinsame Essen, Gastfreundschaft, Rituale und gemeinschaftliche Zusammenkünfte emotionale Infrastrukturen der Fürsorge, Zugehörigkeit und kulturellen Kontinuität schaffen. Ein zentraler Aspekt ihrer Arbeit ist die Untersuchung, wie Gemeinschaften unter den Bedingungen rascher Transformation, Migration und Globalisierung mit Identität und sozialen Bindungen umgehen. Das Aufwachsen zwischen Deutschland und Vietnam hat ihr Interesse an diasporischem Gedächtnis, generationsübergreifendem Austausch und den emotionalen Dimensionen kultureller Zugehörigkeit tief geprägt. Sie nähert sich diesen Fragen nicht nur akademisch, sondern auch durch kollaborative und sozial engagierte kulturelle Praxis.
Im Rahmen des Stipendienprojekts „Affective Nourishment“ untersucht sie, wie vietnamesische Altarpraktiken, Essensrituale und häusliche Räume als affektive und spirituelle Formen der Fürsorge innerhalb vietnamesischer Diasporagemeinschaften fungieren. Essen, Rituale und Gastfreundschaft sind nicht bloß kulturelle Traditionen, sondern lebendige soziale Praktiken, durch die emotionale Erinnerung, die Verbindung zu den Vorfahren und die kollektive Identität über Generationen und geografische Entfernungen hinweg weitergegeben werden. Das Projekt reflektiert zudem die historischen Wandlungen im Nachkriegs-Vietnam und deren langfristige soziale und emotionale Folgen. Die rasanten Veränderungen in der vietnamesischen Gesellschaft nach dem Krieg haben die Gemeinschaftsstrukturen, das städtische Leben, die Familiendynamiken sowie die Beziehungen zu Tradition und Spiritualität grundlegend verändert. Durch anthropologische und künstlerische Zusammenarbeit möchte sie verstehen, wie diese Veränderungen auch heute noch die zeitgenössischen Erfahrungen von Erinnerung, Migration, Fürsorge und Zugehörigkeit prägen.
Diese Forschungsarbeit steht in engem Zusammenhang mit XOAY, dem Kulturcafé und interdisziplinären Gemeinschaftsraum, den wir derzeit in Hanoi aufbauen. XOAY fungiert als hybride Plattform, auf der sich Kunst, Forschung, Essen, Gespräche und Gemeinschaft überschneiden. Durch Ausstellungen, Workshops, Filmvorführungen, Künstlergespräche und gemeinschaftliche Zusammenkünfte schafft der Raum Möglichkeiten für junge vietnamesische Kreative, Forscher, Künstler und Stimmen aus der Diaspora, sich zu vernetzen und Perspektiven auszutauschen. Für sie ist XOAY wichtig, weil es Forschung in gelebte soziale Praxis umsetzt. Viele der in meiner Arbeit untersuchten Fragen, wie Affekt, Gastfreundschaft, Gemeinschaft, generationsübergreifender Dialog, rituelle Kontinuität und emotionale Fürsorge, ergeben sich bereits ganz natürlich aus diesen gemeinsamen alltäglichen Begegnungen. Das Café wird somit nicht nur zu einem kulturellen Veranstaltungsort, sondern auch zu einem lebendigen Forschungsumfeld und einem Raum für kollektive Wissensproduktion.
Im Rahmen des CRC-Stipendiums hofft sie, diese Untersuchungen durch anthropologische und audiovisuelle Forschung zu vertiefen und gleichzeitig zu breiteren Diskussionen rund um Affektstudien, Dekolonialität, Migration sowie gemeinschaftsbasierte Formen kultureller Praxis und Wissensbildung beizutragen.
Publikationen (ausgewählt)
- Co-Existence (2024), Curator and Co-Author
- XOAY Cultural Space, Hanoi (since 2024)
- “wir memory” installation project (2021)
