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Projektnomadin

Kahl: Analyzing Affective Societies

Kahl: Analyzing Affective Societies


Laut Duden ist ein Nomade ein „Angehöriger eines [Hirten]volkes, das innerhalb eines begrenzten Gebietes umherzieht“. Mit Tieren hat die Projektnomadin im SFB-Kontext der sozial- und kulturwissenschaftlichen Affekt- und Emotionsforschung jedoch nichts zu tun. Auch handelt es sich hierbei nur bedingt um eine multi-sited ethnography, die das Umherziehen in verschiedenen (Untersuchungs-)Gebieten beinhalten würde.

Allerdings ist es so, dass die Projektnomadin (Dr. Antje Kahl) keinem der einzelnen Teilprojekte des SFBs direkt angehört. Stattdessen besteht ihre Aufgabe - und deshalb wurde die Bezeichnung Nomadin gewählt -  darin, sich in steter Wanderschaft durch die einzelnen Teilprojekte des SFB zu bewegen. Die Projektnomadin ist bei Teilprojekt-Besprechungen anwesend, während Interviewleitfäden entwickelt, Kriterien zur Materialauswahl und Datenkorpus-Zusammenstellungen besprochen, erhobene Daten und Materialien in Gruppen gemeinsam gesichtet und analysiert oder in den interdisziplinären Themengruppen theoretische Begriffe diskutiert werden. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Reflexion über methodische Vorgehensweisen anzuregen sowie die im SFB zur Anwendung kommenden Verfahren, Techniken, Methoden, Konzeptualisierungen und methodischen Herausforderungen zusammenzutragen und im Gesamtverbund zu kommunizieren. Sie unterstützt den projektübergreifenden methodenbezogenen Austausch sowie den Austausch über die in den Projekten erhobenen Daten und Materialien im gesamten SFB, um auf diese Weise sowohl die praktische Zusammenarbeit als auch die Methodenentwicklung mitzugestalten. Durch ihre kontinuierliche Wanderschaft durch alle Teilprojekte ist es ihr möglich, frühzeitig auf sich entwickelnde Schnittstellen zwischen den Teilprojekten aufmerksam zu machen und so die Verschränkung der einzelnen Projekte zu stärken.

Neben dieser „interdisziplinierenden“ Funktion geht es außerdem darum, einen wissenschaftsethnographischen Blick auf die Forschungspraxis eines solchen interdisziplinären Großverbundes wie dem SFB zu werfen. In ihrer Wanderschaft schaut die Projektnomadin den Forschenden nicht nur beim Forschen über die Schulter, sondern ist auch dabei, wenn in interdisziplinären Zusammensetzungen über die jeweils disziplinäre Forschung gesprochen und diskutiert wird. Dies ermöglicht Einsichten in das praktische Funktionieren von Wissenschaft im Verbund. Insgesamt ist es also das Ziel dieses „nomadischen Verfahrens“, die Vorgehensweisen in den unterschiedlichen Disziplinen vergleichend zu beobachten, Wissenstransfer und Austausch zu unterstützen, Einsichten in das praktische Funktionieren von Wissenschaft im Verbund zu generieren und zur projektübergreifenden Entwicklung von integrativen Methoden der Affekt- und Emotionsforschung beizutragen.