Regieren religiöser Vielfalt. Chance für Verständigung oder selektives Einhegen von Differenz?
Dilger, Hansjörg – 2026
Die ethnografischen Sammlungen von Museen lassen sich als affektive Kräfte begreifen – als relationale Intensitäten, die zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren entstehen, sich im Laufe der Zeit entfalten und in soziomaterielle Umgebungen eingebettet sind sowie diese mitgestalten. Aufbauend auf Debatten in der Anthropologie der Objekte und der politischen Ontologie entwickle ich diese Perspektive anhand einer langfristigen Feldforschung am Ethnologischen Museum Berlin, dessen Ausstellungen im Humboldt-Forum stattfinden, wobei ich mich auf die kamerunische Gottheit Ngonnso und ihre Interaktionen mit Museumsmitarbeitern sowie Akteuren innerhalb der Nso’-Gemeinschaft und der Diaspora konzentriere. Zunächst untersuche ich, wie koloniale Aneignung und epistemische Ordnung Entkopplungen hervorbrachten, die nun durch kollaborative Praktiken und affektive Auseinandersetzungen neu verhandelt werden. Zweitens analysiere ich, wie Prozesse der Wiederverbindung durch die ambivalente Kraft von Artefakten geprägt werden, wobei ich Fragen der Vitalität und Spiritualität mit institutionellen und politischen Kontexten verknüpfe. Die Berücksichtigung von Affekten offenbart diese Dynamiken als offen und mit Macht verflochten und bietet eine Perspektive für ein Umdenken in Bezug auf Fürsorge, Restitution und Zusammenarbeit in sammlungsführenden Institutionen.