Jandra Böttger, Jan Slaby und Hannah Vögele (Freie Universität Berlin), Henrike Kohpeiß (Leuphana Universität Lüneburg), Rainer Mühlhoff (Universität Osnabrück), Jorinde Schulz (Die Linke), Philipp Wüschner (freier Autor)
Sprache: Deutsch
Über den Faschismus wird heute nicht nur viel gesprochen, er lässt sich auch fühlen: in sich intensivierendem Armenhass, in der Verherrlichung von Ausgrenzung und Grenzgewalt, in ungebremster patriarchaler und sexualisierter Verfügung, in Überwachungs- und Effizienzfantasien, im Desinteresse am Leid anderer sowie in verbreiteter Angst, Isoliertheit und Ohnmacht – aber auch in der Sehnsucht nach Solidarität, Geborgenheit und Verbundenheit. So breit das affektive Panorama ist, so weit gehen auch die Analysen und Strategien auseinander. Während einige die liberale Demokratie gegen einen Faschismus „von außen“ verteidigen wollen, beobachten andere, wie sie „von innen“ ausgehöhlt wird und sich selbst zerfleischt. Dabei treten unterschiedliche solcher gesellschaftlichen Affekte in den Vordergrund. Mit dieser Veranstaltung möchten wir die Gefühlswelten des neuen Faschismus besser verstehen und gemeinsam diskutieren.
Welche affektiven Infrastrukturen begünstigen sein Entstehen? Wie werden Erfahrungen und Gefühle von der Dominanzgesellschaft – oder aber von besonders von Ausgrenzung und Gewalt Betroffenen – abgewehrt und ungefühlt gemacht? Was bedingt Gefühle der Entmenschlichung, der Entsolidarisierung und der Hinnahme der Zerstörung von menschlichem wie nicht-menschlichem Leben? Wie „neu“ sind seine Affekte, und welche Traditionslinien lassen sich historisch nachzeichnen? Welche Synergien entstehen aus künstlicher Intelligenz und Tech-Ideologien? Geht es um Gefährdungs- oder um Ermächtigungsgefühle? Sind es Kälte, Härte und Apathie oder aber Hitze, Lust und Leidenschaft, die die Gesellschaft zwischen Faschisierung und Klimakollaps prägen? Nicht zuletzt, könnten Gegengefühle dem etwas entgegensetzen: Welche affektiven Strategien und Infrastrukturen ermöglichen es, sich gegen faschistische Entwicklungen zu organisieren?
Diese Fragen diskutieren wir mit den Ehemaligen des philosophischen Teilprojektes des SFB Affective Societies: Henrike Kohpeiß, Rainer Mühlhoff, Jorinde Schulz und Phillip Wüschner.
Zeit & Ort
22.04.2026 | 18:00
Vorlesungsraum J32/102 der Freien Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin