Da My Dao, Max Müller, Anita von Poser und Edda Willamowski (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Birgitt Röttger-Rössler und Giang Thierbach (Freie Universität Berlin), Gabriel Scheidecker (Universität Zürich)
Sprache: Deutsch
Zugehörigkeit bildet ein zentrales Thema in der sozialwissenschaftlichen Forschung zu Migration und Transnationalismus. Zahlreiche Studien widmen sich der Frage, wie Personen, die in transnationalen Zusammenhängen leben, ihre sozialen und kulturellen Mehrfachzugehörigkeiten erleben, wahrnehmen und verhandeln, wie sie sich in ihren unterschiedlichen Zugehörigkeitsräumen einrichten und beheimaten. In den entsprechenden Texten wird Mehrfachzugehörigkeit häufig positiv dargestellt. Sie wird als ein, wenn auch nicht immer leicht erreichbares, so doch grundsätzliches Plus beschrieben: Ein Mehr an Bindungen, Möglichkeiten, Wissen und Kompetenzen. Diese Sichtweise betont die Vorteile und Potenziale, die mit der Fähigkeit verbunden sind, sich in verschiedenen sozialen und kulturellen Kontexten zu bewegen. Die Kehrseite der Zugehörigkeit, die Nicht-Zugehörigkeit, wird dagegen kaum thematisiert. In unseren emotionsanthropologischen Forschungen zum vietnamesischen Berlin sind wir jedoch häufig mit der Problematik der Nicht-Zugehörigkeit konfrontiert worden. Menschen unterschiedlichen Alters mit vietnamesischen Migrationsbezügen thematisierten, dass Gefühle des Nicht-Zugehörig-Seins – sowohl in Deutschland als auch in Vietnam - eine besonders schmerzliche Rolle in ihrem Leben spielen. Diese Perspektive möchten wir in den Mittelpunkt unseres Beitrages stellen. In einem Impulsvortrag (Röttger-Rössler) wird zunächst beleuchtet, wie das Erleben von Nicht-Zugehörigkeit den Alltag und die Identitätsbildung junger, in Deutschland aufgewachsener Menschen prägt, deren Eltern aus Vietnam stammen. In Form einer Podiumsdiskussion mit Moderation (von Poser) und fünf ergänzenden Kurzbeiträgen (Dao, Müller, Scheidecker, Thierbach, Willamowski) werden anschließend Dilemmata der Zugehörigkeit angesprochen, welche für die Elterngeneration sowie für nachfolgende postmigrantische Generationen charakteristisch sind. Diesbezüglich sind zum einen die Strukturen des Migrationsregimes (Flucht oder Arbeitskontrakte) bedeutsam, unter dem die älteren Generationen jeweils eingewandert sind; zum anderen verleihen Aspekte des Alterns Fragen der Zugehörigkeit nochmals eine spezifische Relevanz. Die Dilemmata der Zugehörigkeit und Nicht-Zugehörigkeit lassen sich abschließend auch auf weitere Kontexte und gesamtgesellschaftlichere Fragen beziehen.
Zeit & Ort
06.05.2026 | 18:00
Vorlesungsraum J32/102 der Freien Universität Berlin, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin