Tagung: Affekte - Medien - Macht, 29.Juni - 1.Juli in Berlin

29.06.2017 - 01.07.2017

Das Teilprojekt B02 "Transkulturelle emotionale Repertoires im und durch Reality TV" veranstaltet in Kooperation mit der DGPuK-Fachgruppe "Soziologie der Medienkommunikation" eine Tagung unter dem Titel "Affekte - Medien - Macht", vom 29.06.-01.07.2017 in Berlin

Affekte - Medien - Macht

Affekte - Medien - Macht

Die sozialwissenschaftliche Emotionsforschung und die kulturwissenschaftlichen ‚affect studies‘ haben in den letzten Jahren verstärkt den Fokus auf die soziale und kulturelle Formung von Emotionen und Affekten gerichtet. Wie Emotionen und Affekte durch Medien hergestellt werden, wie sie medial vermittelt werden und welche Gefühle Rezipierende bei der Mediennutzung entwickeln, ist Gegenstand der Kommunikations- und Medienwissenschaft. Ob als Kommunikationsphänomen beim shitstorm oder der moral panic, als Modus der Rezeption beim Fremdschämen oder als Auslöser für die Zirkulation von Informationen im affective flow (Wetherell 2012; Papacharissi 2015) – Kommunikationsprozesse können vielfältig affizieren. Insbesondere die „affect studies“ (Gregg/Seigworth 2010) beleuchten dabei das Verhältnis zwischen (Gefühls-)Erleben und gesellschaftlichen Differenz- und Machtverhältnissen. Im Unterschied zu Emotionen, die wir als sozial reguliert erfassen, bezieht sich der Affekt auf relationale, prozessorientierte Verhältnisse. So wird unter Affekt nicht der Ausdruck subjektiven Erlebens gefasst, sondern die dynamischen, intensiven und machtförmigen sozialen Beziehungen die sich zwischen Körpern sowie zwischen Körpern und Technologien/Medien/Artefakten vollziehen. Affekte sind damit immer auch geprägt durch soziale Strukturen und Ordnungen, durch Geschlechterverhältnisse und kulturelle Verortungen. Das komplexe Zusammenwirken von Affekten, gesellschaftspolitischen Diskursen der Ungleichheit und deren medialer Verhandlung ist relevant für die Kommunikations- und Medienwissenschaft im Allgemeinen und für die mediensoziologische Perspektive im Besonderen, da mit ihm nicht nur Fragen nach der stabilisierenden Funktion von Affekten verbunden sind, sondern auch nach deren transformativem Potential.

Die Tagung möchte daher an die Forschung der „affect studies“ als auch die bestehende medien- und kommunikationswissenschaftliche Emotionsforschung anschließen und die differenz- und machtpolitische Komponente des Affektbegriffs in den Blick nehmen. Die Beschäftigung mit dem Themenfeld „Affekt – Medien – Macht“ verspricht dabei nicht nur Anregungen für methodische Innovationen und eine theoretische Konzeptualisierung des Affektbegriffs, sondern richtet den analytischen Fokus auf unterschiedliche Formen des affektiven Erlebens und Interagierens. Damit verbunden sind inkludierende und exkludierende Dimensionen, die in Kommunikationsprozessen eine Rolle spielen. Aktuell rücken hier etwa die globalen Migrationsprozesse Fragen nach der Rolle, Funktion und Instrumentalisierung von Affekten und emotionalen Praktiken in den Blickpunkt.

Entgegen der aufklärerischen Sehnsucht nach einer Durchsetzung der Vernunft und unbesehen des traditionellen wissenschaftlichen Bias‘ für einen rationalen Diskurs, lassen sich in jüngster Zeit in verstärktem Maße Prozesse der Emotionalisierung und Affektgetriebenheit des öffentlichen Diskurses beobachten.  Bieten Begriffe wie Sensationalisierung und Skandalisierung auch Hinweise zur Analyse medialer Produktion im Kontext von Aufmerksamkeitsökonomie, so sieht sich die Gesellschaft im Zuge des digitalen Wandels mit neuen medialen Phänomenen konfrontiert. Phänomene wie hate speech oder shitstorm beschreiben Tendenzen der netzbasierten Kommunikation, die hochgradig affektgetrieben sind. Traditionelle Routinen und Regeln der interpersonalen und (teil-)öffentlichen Kommunikation scheinen in diesen Prozessen außer Kraft gesetzt.

Was bedeutet dieser Wandel für die Qualität und Diversität (medien)öffentlicher Kommunikation? Welche Bedeutung gewinnen Affekte und Emotionen für ein Verständnis von Öffentlichkeiten sowie für die Analyse von Medienkommunikation als sozialer Praxis? Welche neuen Formen affektiver Kommunikation können wir in der Netzkommunikation ausmachen? Und welche Rolle spielt affektive Kommunikation für Machtkonstellationen in sozialen Ordnungen?

Im Rahmen der Tagung möchten wir die Relevanz von Affekten und Emotionen in Medien- und Kommunikationsprozessen genauer beleuchten. Insbesondere interessiert dabei die Auseinandersetzung mit der Herstellung von Macht und Ungleichheit mit und durch Affekte und Emotionen im Mediendiskurs.

Organisation:

Prof. Dr. Margreth Lünenborg (margreth.luenenborg@fu-berlin.de)

Dr. Tanja Maier (tanja.maier@fu-berlin.de)

Claudia Töpper (c.toepper@fu-berlin.de)

Zeit & Ort

29.06.2017 - 01.07.2017

Freie Universität Berlin

Weitere Informationen

Für aktuelle Informationen besuchen Sie bitte die Konferenzseite unter:

https://affektemedienmacht.wordpress.com/