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Dr. Timm Sureau

Sureau
Bildquelle: Miriam Klingl

Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg

Seminar für Ethnologie

Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in

Adresse
Reichardtstraße 11
Raum 301
06114 Halle (Saale)

Timm Sureau ist Postdoktorand in der Abteilung Recht und Ethnologie des Max-Planck-Instituts für Ethnologische Forschung in Halle und der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg. Timm Sureau forscht seit 2006, zuerst im Sudan, anschließend im Südsudan und nun in Deutschland. Seine erste Forschung fokussierte sich auf politische Narrative der Marginalisierung im Norden des Sudans und hob die Dissonanz zwischen Mediendiskurs, persönlichen und familiären Erfahrungen hervor. Für sein Promotionsprojekt untersuchte er Staatsformationsprozesse im Südsudan aus einer anthropologischen Perspektive, die eine besondere Betrachtung der Legitimations- und Aushandlungsmechanismen in der Staatsbildung erlaubten. Der niedrige Grad an Institutionalisierung und die niedrigen Hürden des Zugangs während der Entstehung der südsudanesischen Staatlichkeit, erlaubte ihm die Analyse des Umfangs und Einflusses zahlreicher individueller und kollektiver Akteure. Seit Kurzem fokussiert er sich auf die digitalen Prozesse, durch die staatliche Stabilität und -legitimation unterstützt werden und wie Wissen, “Wahrheit” und Evidenz durch die Kontrolle des Informationsflusses geformt werden.

Den Magisterabschluss erhielt er in Ethnologie, Humangeographie und Informatik an der Freien Universität Berlin im Jahr 2010 und verteidigte seine Dissertation an der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg im Jahr 2017. Im Anschluss koordinierte er von 2017-2019 die International Max Planck Research School on Retaliation, Mediation and Punishment und trat 2019 dem SFB 1171 Affective Societies im Projekt “Sentiments of Bureaucracies: Affektive Folgen der digitalen Transformation in der deutschen Migrationsverwaltung” bei. Hierbei fokussiert er sich auf die Digitalisierung und ihre vielfachen Konsequenzen auf die deutsche Migrationsverwaltung.

Eine Ethnographie der Programmierung: Migrationsverwaltung und die Digitalisierung der legal-bürokratischen Prozesse in Deutschland

Im Kontext des Forschungsprojekts “Sentiments of Bureaucracies: Affektive Folgen der digitalen Transformation in der deutschen Migrationsverwaltung” werde ich ethnographisch untersuchen, wie das Bundesamt Migration und Flüchtlinge (BAMF) seine Arbeitsweise digitalisiert. Wir verstehen administrative Programme als Infrastruktur, die einem Prozess des black boxing unterzogen wird und am besten analysiert werden kann, indem sie aufgebrochen oder während sie konstruiert und programmiert wird. Dieser Prozess der Infrastrukturalisierung geschieht gerade. Es ist daher ein einzigartiger Moment, die Komplexität dieser Verknüpfungen von Fragen der Effizienz einerseits und Legalität innerhalb der Bürokratie andererseits zu betrachten. Das BAMF unterzieht sich diesem Digitalisierungsprozess und steht dabei in der öffentlichen Kritik, da die vermehrt digitalisierte Arbeitsweise über ausschlaggebende und hochpolitisierte Fragen des rechtlichen Status’ von Migrant*innen und über ihre gesellschaftliche In- und Exklusion, sowie kollektive Zugehörigkeit und Identität entscheidet.

Im BAMF werden derzeit nicht nur neue Anwendungen und Systemerweiterungen entwickelt, sondern auch neue Formen der Arbeitsorganisation erprobt, wie Methoden agiler Softwareentwicklung, in der IT-Entwickler und Bürokraten eng miteinander arbeiten. Die zentrale Frage ist demnach, wie bürokratische Empfindung durch neue Arbeitskontexte und -techniken entwickelt und transformiert werden, wie bürokratische Empfindungen in die Entwicklungstechnologien eingeschrieben sind und innerhalb der Behörde verbreitet werden.

  • Im Erscheinen: Punishment: Negotiating Society. Berghahn. [zusammen mit Filip Vojta].
  • Im Erscheinen: „What makes a revolution ‚real‘? A discussion on social media and al-thawra ثورة in Sudan“. In: Rottenburg, Richard et al. [Hrsg.] Digital Imaginaries: Africas in Production. Kerber Verlag. [zusammen mit Siri Lamoureaux, Enrico Ille und Amal Fadlalla].
  • Im Erscheinen: „Unruly techno-irrational ontologies: artificial intelligences“. In: Park/Rottenburg [Hrsg.]: Mattering Press.
  • 2019. „Роковое Будущее При Сохранении Прошлого: Эпохальные Надежды При Получении Независимости Южным Суданом (Fateful Futures in the Presence of the Past: Epochalist Hopes at South Sudan’s Independence)“. In: Ученые Записки Института Африки Ран 2 (47): 68–85. https://doi.org/10.31132/2412-5717-2019-47-2-68-85
  • 2019. “The Last Bullet”: South Sudan’s emerging state.
  • 2019: Understanding Retaliation, Mediation and Punishment: Collected Results. 250. Aufl. Bd. XXV. XXV Bde. Max Planck Institute for Social Anthropology Department ‘Integration and conflict’ field notes and research Projects. Halle (Saale): Max Planck Institute for Social Anthropology. [zusammen mit Yelva Auge].
  • 2018: „Knowledge and legitimacy: the fragility of digital mobilisation in Sudan“. In: Journal of Eastern African Studies 0 (0): 1–19. [zusammen mit Siri Lamoureaux]. https://doi.org/10.1080/17531055.2018.1547249
  • 2015: „Introduction: Peace and constitution making in emerging South Sudan on and beyond the negotiation tables“. In: Journal of Eastern African Studies 9 (4): 612–33. [zusammen mit Katrin Seidel]. https://doi.org/10.1080/17531055.2015.1105438.
  • 2015. „How DDR Shifted Its Face in South Sudan“. In: Calkins, Sandra, Enrico Ille und Richard Rottenburg [Hrsg.]: Emerging Orders in the Sudans. Mankon, Bamenda: Langaa Research & Publishing CIG: 271–294.
  • 2013: „New forms of exclusion in Torit: Contestation over urban land“. In Gravert, Elke [Hrsg.]: Forging Two Nations: Insights on Sudan and South Sudan Addis Ababa, Ethiopia: OSSREA: 143–159.
  • 2010: „‚Main Roads’, ‚Rote Linien’ und ‚süße’ Reden - Politische Diskurse und Perspektiven auf den Nord-Süd-Konflikt im Sudan unter Studenten der Universität Khartum“. Berlin: Freie Universität Berlin.