Konferenz: Engagement im Zeichen von Flucht und Migration - Aktuelle Tendenzen in Literatur und Theater

19.01.2017 - 20.01.2017

Die in Kooperation mit den Teilprojekten A03 und C04 veranstaltete Tagung des Teilprojekts C05 fragt vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingsbewegungen nach Dynamiken des Engagements in Literatur und Theater.

Die Fluchtbewegungen nach Europa und Deutschland, das europäische Grenzregime und die mit diesen Themen verknüpften gesellschaftlichen Konflikte sind in jüngster Zeit auf vielfältige Weise künstlerisch aufgegriffen und verhandelt worden. Sowohl an unmittelbaren ‚Hilfsmaßnahmen’ von institutioneller Seite (wie etwa der Beherbergung von Geflüchteten in Theatern oder Spendensammlungen in Museen) als auch an künstlerischen Projekten zu Fragen von Kunst und Migration lässt sich der Wunsch nach einer wechselseitigen Resonanz von Ästhetischem und Politischem feststellen. Wahrnehmungs- und Machtverhältnisse zwischen Flüchtlingen, Künstler_innen und Rezipient_innen werden selbst zum Politikum. Traditionelle Fragen nach der Repräsentierbarkeit einzelner Akteure, aber auch ganzer sozialer Gruppen werden von neuem gestellt. Die insbesondere im Feld des Theaters auffällige Neigung zur sozialen Intervention lässt auf eine gefühlte Verantwortung der Künste schließen, der eigenen gesellschaftlichen Funktion im Zeichen der Krise Ausdruck zu verleihen. Darin ist womöglich eine verstärkte affektive Bezugnahme der Künste auf die soziale Realität erkennbar. Auch Literatur und bildende Kunst scheinen auf die Lage der Geflüchteten und die damit verbundenen Erfahrungen zu reagieren – in eigenem Rhythmus und auf spezifische Weise. Auf der Tagung sollen Reaktionen auf die aktuelle Situation aus verschiedenen Künsten verglichen und diskutiert werden.

Angesichts dieser Verschränkungen von Ästhetischem und Politischem erlebt die Frage nach dem ‚Engagement’ in den Künsten in mehrfacher Hinsicht eine Art Renaissance. Der vieldeutige Begriff des Engagements rückt sowohl emotionale als auch institutionelle und ökonomische Dimensionen politischer Kunst in den Vordergrund und weist darauf hin, dass sich das gegenwärtige künstlerische Engagement für ‚die’ Flüchtlinge mit Blick auf das 20. Jahrhundert historisch perspektivieren lässt: Inwieweit können die derzeitigen Bemühungen um gesellschaftliche Relevanz als eine Rückkehr bzw. Transformation vorheriger (und früher bereits umstrittener) Formen künstlerischen Engagements gelten?

Die Konferenz möchte unterschiedliche Formen künstlerischen Engagements in Theater, Literatur und bildender Kunst in den Blick nehmen und sie auf ihre affektiven Dynamiken hin untersuchen: In welchem Verhältnis stehen ästhetische Verfahren und außerästhetische Wirklichkeit in engagierter Literatur und engagiertem Theater? Kann das im Vergleich zu Bildender Kunst und Literatur offenbar anders gelagerte Engagement der deutschen Stadt- und Staatstheater auf mediale oder institutionelle Differenzen zurückgeführt werden? Welche Darstellungs- und Erzählweisen sind zeitgenössischer engagierter Kunst zu Eigen? Ist die emotionale Aufladung des Gegenstandes bei Kunstprojekten, die Migrationsprozesse und subjektive Fluchterfahrungen verhandeln, eher der Auslöser oder ein Ziel des Engagements?

Nähere Informationen zur Konferenz finden sie hier.

Zeit & Ort

19.01.2017 - 20.01.2017

Haus für Poesie auf dem Gelände der Kulturbrauerei
Knaackstraße 97
10435 Berlin