Tandem-Kooperationen

Die inhaltliche und organisatorische Federführung in der Theorie-und Methodenwerkstatt obliegt drei jeweils einjährig agierenden interdisziplinären Leitungstandems, die je ein zentrales Desiderat der SFB-Agenda ausarbeiten. Diese Tandems werden während ihrer Laufzeit unterstützt durch die Themengruppen, die zu spezifischen theoretischen und methodischen Aspekten der SFB-Agenda arbeiten. Zudem obliegt den Tandems die zeitweilige Organisation der SFB-Plenumsebene, so dass auch auf diesem Weg eine breite Beteiligung aller SFB-Mitglieder erreicht wird. Die zeitliche Reihenfolge der Tandems ergibt sich grob aus einer Logik der theoretischen und methodischen Reichweite und Spezifik.

Prof. Hansjörg Dilger / Prof. Matthias Warstat

Die erste Tandemkooperation der zweiten Laufzeit wird von dem Sozial- und Kulturanthropologen Hansjörg Dilger und dem Theaterwissenschaftler Matthias Warstat bestritten. Unter dem Oberthema „Institutionalisierung von Diversität“ beleuchten sie die affektiven Herausforderungen und Erfahrungen, die im Kontext von Migration und Globalisierung entstehen, wenn Konzepte von Diversität und Vielfalt Einzug in institutionalisierte Bereiche halten, wie z.B. die Medizin, das Theater, Medien und Künste, das Recht oder kommunales Regieren. Dabei geht es auch um die Formierung neuer Emotionsrepertoires, die unter dem Eindruck sich verändernder Institutionen oder bei der Herausbildung neuer Teilbereiche entstehen, sowie die Frage, welche Effekte diese Veränderungen für die Dynamiken gesellschaftlicher In- und Exklusion haben.

All diese Prozesse sind sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene relevant, und ihre Erforschung bezieht Perspektiven aus den Theater- und Literaturwissenschaften als auch aus den Politik- und Sozialwissenschaften mit ein.

Das Tandem richtet die vierte Jahrestagung des SFB im Mai 2020 aus mit dem Titel „Diversity Affects | Troubling Institutions“, Keynote-Sprecherin: Sara Ahmed („The Cultural Politics of Emotion“, „On Being Included: Racism and Diversity in Institutional Life“).

   

Hansjörg Dilger wird am Institut für Sozial- und Kulturanthropologie vertreten durch:

Dr. Marcos Freire de Andrade Neves
Landoltweg. 9-11
Raum 108
14195 Berlin
marcos.freire@fu-berlin.de

Matthias Warstat wird am Institut für Theaterwissenschaft vertreten durch:  

Adam Czirak
Grunewaldstr. 35
Raum R. 116
12165 Berlin
adam.czirak@fu-berlin.de
+49 30 838 59246

Wintersemester 2017/18 - Sommersemester 2018

Prof. Doris Kolesch / Prof. Hubert Knoblauch

Das dritte designierte Tandem wird von einer Theaterwissenschaftlerin und einem Soziologen gebildet und behandelt das Themenfeld „Affektivität und Emotionalität in Aufführungssituationen“. Das Tandem fokussiert ein Phänomen, das mustergültig für Kollektive steht und damit die Spannung von Vergemeinschaftung und Vergesellschaftung in mediatisierten Affective Societiesrepräsentiert. Das Spektrum reicht von der vielfach mediatisierten Affizierung der Publika öffentlicher Großveranstaltungen bis zu den diversen Verfahren und Techniken der Affizierung in den performativen Künsten. Den empirischen Bezugspunkt bilden die emotionalen Prozesse der Publika in Aufführungssituationen, die als ein differenzierter, aber in seiner Form besonderer Resonanzraum von Affekten betrachtet werden.

Von besonderem Interesse ist der Vergleich verschiedener sozialer Felder, die vom Sport über das Theater bis zur Religion reichen und sowohl lokale wie auch mediale bzw. mediatisierte Publika umfassen. Damit verbunden ist die Herausforderung, unterschiedliche Stränge der Erforschung der Publikumsemotionen miteinander zu verknüpfen: Diese reichen von der Publikumsforschung in der Theaterwissenschaft, der Filmwissenschaft und der Kunstanthropologie bis hin zur soziologischen, kommunikationswissenschaftlichen oder ethnologischen Forschung.

Das Tandem wird an den jeweiligen Instituten vertreten durch:

Evelyn Anuß und Boris Traue

Wintersemester 2016/17 - Sommersemester 2017

Prof. Anne Fleig / Prof. Christian von Scheve

Im zweiten Tandem arbeiten eine Literaturwissenschaftlerin und ein Soziologe zum Problemkomplex der affizierenden Kraft von Sprache und Texten in der Konstitution von Zugehörigkeit und Zugehörigkeitsgefühlen. Gerade das Ziel des SFB, verstärkt noch nicht semantisierte affektive Dynamiken in den Blick zu nehmen, rückt die Frage der affizierenden Wirkung von Sprache und Text in ein neues Licht. Aus dieser Perspektive wird Affektivität nicht ausschließlich als immer schon sprachlich-diskursiv geprägt verstanden, sondern umgekehrt soll die besondere Kraft von Sprache nun durch den Rekurs auf ihre affektive Wirksamkeit expliziert werden. Sprache und Text wiederum sind keine bloßen Repräsentationen von Emotionen, sondern genuin affektives Handeln, das eigenes Erleben (mit)konstituiert und Resonanzräume mit anderen Akteuren etabliert.

Dieses Verständnis soll in der Tandemkooperation theoretisch und methodisch vor allem mit Blick auf Zugehörigkeiten ausgearbeitet werden, und zwar für gesprochene Sprache und ihr Vermögen, in (para)sozialen Interaktionen affektive Dissonanzen oder Konsonanzen zu erzeugen sowie für unterschiedliche Textsorten als Konstituenzien von öffentlichen und politischen Diskursen, in denen Zugehörigkeit verhandelt wird. In vielen Teilprojekten des SFB sind Sprache und Text sowohl als Gegenstände wie auch als methodische Vorgehensweisen zentrale Bezugspunkte, so dass eine Ausarbeitung, die sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven zusammenführt, ein wichtiges Desiderat ist. Dazu kann die Literaturwissenschaft wesentliche methodische und theoretische Kompetenzen bspw. in Bezug auf die rezeptionsästhetische Wirksamkeit von Sprache beisteuern. In der Soziologie existiert mit der Wissenssoziologie ein Paradigma, in dem Sprache sowohl methodisch als auch sozialtheoretisch zentral ist.

Tandem 2 kann auf eigene interdisziplinäre Vorarbeiten am ehemaligen Cluster Languages of Emotion zurückgreifen, die etwa die Wirkung rhetorischer Figuren, die Lautphysiognomie in der künstlerischen Sprachproduktion oder die affektive Konnotation von sozialen Konzepten untersucht haben.

Das Tandem wird an den jeweiligen Instituten vertreten durch:

Ruth Steinberg und Martina Dieckhoff

Wintersemester 2015/16 - Sommersemester 2016

Prof. Brigitt Röttger-Rössler / Prof. Jan Slaby

Das erste Tandem, bestehend aus einer Ethnologin und einem Philosophen, arbeitet den konzeptuellen Kern des für den SFB zentralen relationalen Affekt- und Emotionsverständnisses umfassend aus. Grundlage der Kooperation ist eine durch langjährige (u.a. am Cluster Languages of Emotion) gemeinsame wissenschaftliche Tätigkeit fundierte Verankerung beider in aktuellsten Strömungen der Emotionsforschung.

Die disziplinäre Kombination erlaubt es, ein enges Wechselspiel zwischen der Ausarbeitung und Erprobung empirisch-ethnologischer Verfahren und einer transformativen Begriffs- und Theoriearbeit zu initiieren. Exemplarisch kann dies hier für den Begriff des Emotionsrepertoires illustriert werden, der gerade dadurch, dass er in ein relationales Verständnis überführt wird, an Kontur gewinnt und damit für den SFB zu einem erschließenden Leitbegriff wird. Es geht in der Zusammenarbeit u.a. darum, das etablierte Verständnis von individuellen Emotionsrepertoires (als leiblich tief verankerte affektive Dispositionen) ausgehend von empirischen Untersuchungen so auszuweiten, dass die Möglichkeit einer kollektiven Trägerschaft der Repertoires verständlich wird, wobei der relationale Charakter der interaktiv und performativ ausagierten Repertoires präzise bestimmt werden soll.

Das relationale Affektverständnis des SFB wird im Zuge dessen zu einem empirisch gesättigten und konzeptuell trennscharfen Instrumentarium ausgebaut und als Alternative zu den weithin etablierten – aber mit einem westlichen bias belasteten – Begriffen diskreter Emotionen profiliert.

Das Tandem wird an den jeweiligen Instituten vertreten durch:

Eric Heuser, Frank Ruda und Eva Weber-Guskar