Call for Papers - Workshop “Bridging Emotions: Affect in Overcoming Social and Political Divides”
Keio University, Tokyo 16.05.2026
Einreichungsfrist: 15.02.2026
Benachrichtigung über die Annahme: 20.02.2026
Organisatoren: Takemitsu Morikawa & Christian von Scheve
News vom 14.01.2026
In den letzten Jahren haben Forschungen in der Soziologie und benachbarten Disziplinen wie Politikwissenschaft und Psychologie bemerkenswerte Erkenntnisse über die Rolle von Emotionen in sozialen und politischen Konflikten sowie in negativen und antagonistischen sozialen Interaktionen geliefert. Dazu gehören Themen wie affektive Polarisierung, Konflikte zwischen Gruppen, soziale Ausgrenzung, Ablehnung, Abwertung und Nichtanerkennung. Negative Affekte und diskrete Emotionen wie Wut, Bosheit, Angst, Groll, Demütigung und Hass prägen nachweislich kollektive Identitäten, schüren Feindseligkeiten und verhärten die Grenzen zwischen Gruppen und Individuen. Weniger systematische Aufmerksamkeit wurde der konstruktiven Rolle von Emotionen bei der Überwindung von Spaltungen, der Aufrechterhaltung und Wiederherstellung angespannter sozialer Beziehungen gewidmet: wie Emotionen Anerkennung ermöglichen, Verantwortungsbewusstsein fördern, fragile Formen des Zusammenlebens aufrechterhalten oder Zusammenarbeit in Kontexten tiefer Meinungsverschiedenheiten denkbar machen. Hier hat sich ein Großteil der bestehenden Forschung auf Fragen historischer Ungerechtigkeiten, hartnäckiger Konflikte und moralischer Verfehlungen konzentriert. Wenig Beachtung fanden hingegen die weniger sichtbaren Spaltungen zwischen eher vorübergehenden und kurzlebigen Gruppen in der Gesellschaft, wie Meinungs- und Identitätsgruppen, soziale Schichten, Parteizugehörigkeit, Themenkoalitionen, Interessengruppen oder soziale Bewegungen. Einige bestehende Arbeiten sind jedoch sehr hilfreich, um zu verstehen, was wir als „überbrückende Emotionen” bezeichnen: (a) Forschungen, die die Rolle kollektiver Emotionen in Ritualen und deren Auswirkungen auf die Identitätsbildung und soziale Integration hervorheben; (b) Studien, die die Bedeutung versöhnlicher affektiver Haltungen wie Vergebung, Entschuldigung und Nachsicht betonen; und (c) Arbeiten, die auf die Relevanz bestimmter diskreter Emotionen hinweisen, beispielsweise Hoffnung, Schuld, Reue, Bedauern und Mitgefühl. Obwohl diese Arbeiten wertvolle Einblicke in die Ursachen und Folgen von Brückenemotionen liefern, sind sie weitgehend unverbunden und in verschiedenen Disziplinen isoliert geblieben. Dieser interdisziplinäre Workshop lädt daher Wissenschaftler ein, Beiträge einzureichen, die Emotionen in den Mittelpunkt der Forschung zu Konflikttransformation, Versöhnung und der Überbrückung sozialer und politischer Spaltungen zwischen verschiedenen Gruppen und Gemeinschaften in der Gesellschaft stellen. Der Workshop legt besonderen Wert darauf, verschiedene bestehende Forschungsansätze wie Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie und Philosophie miteinander zu verbinden, sowie auf Arbeiten, die Emotionen als relationale, kulturell eingebettete und institutionell vermittelte Prozesse behandeln.
Themen, die beispielhaft dazugehören:
- Emotionen in Konfliktbeziehungen zwischen Meinungs- und Identitätsgruppen, politischen Lagern oder öffentlichen Debatten
- Emotionale Praktiken und Gefühlsregeln, die das Zusammenleben ohne Konsens zwischen antagonistischen Gruppen fördern
- Überbrückung von Emotionen in Interessenkonflikten, einschließlich Arbeitskonflikten, Umweltkontroversen oder Verteilungskonflikten
- Moralische Anerkennung, Respekt und emotionale Zurückhaltung in pluralistischen politischen Ordnungen
- Emotionen und alltägliche Grenzarbeit zwischen sozialen, kulturellen oder Lebensstilgruppen (z. B. klassenbasierte, generationsbezogene, städtisch-ländliche oder wertebasierte Trennungen)
- Emotionale Regulierung, Ambivalenz und Toleranz in heterogenen Öffentlichkeiten
- Symbolische und emotionale Bedingungen, unter denen Meinungsverschiedenheiten legitim bleiben, anstatt moralisiert oder ausgrenzend zu wirken
- Soziologie von Entschuldigungen, Wiedergutmachungen, Erinnerung und moralischer Wiedergutmachung
- Emotionale Kulturen, Gefühlsregeln und moralische Grenzen in polarisierten Gesellschaften
- Alltägliche emotionale Praktiken, die ethnische, rassische, religiöse oder politische Spaltungen überbrücken (oder nicht überbrücken)
Format und Teilnahme
Der Workshop findet in hybrider Form an der Keio-Universität in Tokio, Japan, statt. Er kombiniert die persönliche Teilnahme mit der Online-Teilnahme, um den internationalen Austausch zu erleichtern. Bitte beachten Sie, dass wir Ihnen bei der Organisation von Reise und Unterkunft behilflich sein können, jedoch keine finanzielle Unterstützung leisten können. Wir freuen uns über theoretische, empirische und methodische Beiträge, einschließlich qualitativer, quantitativer, vergleichender und gemischter Methoden.
Einreichungsdetails
Bitte reichen Sie eine Zusammenfassung Ihres Beitrags von maximal 300 Wörtern ein. Beiträge von Doktoranden und Postdoktoranden sowie Arbeiten, die sich noch in einem frühen Stadium befinden, sind ausdrücklich willkommen. Es werden nur Abstracts in englischer Sprache berücksichtigt.
Bitte senden Sie Ihre Zusammenfassungen per E-Mail an: christian.von.scheve@fu-berlin.de.
Einreichungsfrist: 15. Februar 2026
Benachrichtigung über die Annahme: 20. Februar 2026
Dieser Workshop wird unterstützt von der Einstein Foundation Berlin,
Keio University, und Freie Universität Berlin.